„Hätte der Krieg nur ein paar Wochen länger gedauert, ich
würde heute nicht hier vor Ihnen sitzen, sondern wäre noch im Februar 1945
deportiert worden.“ Angespannte Stille im Raum und ernste Gesichter bei den
etwa 30 Berufsschüler/innen.
Die 84 jährige Inge Hutton aus Hamburg Rotherbaum
berichtet von ihrer schweren Überlebenszeit in Hamburg als sog.
„Geltungsjüdin“, von ihrem mutigen Einsatz für den Vater, den sie dann doch
nicht hatte retten können vor der Deportation nach Auschwitz, aber auch von
vielfältiger Hilfe und Unterstützung durch ihre Freunde.
Immer wieder sind es diese Zeitzeugengespräche, welche die Schülerinnen und Schüler nachhaltiger beeindrucken als alle Filme oder Dokumentationen. Und sie werden am stärksten nachgefragt innerhalb des Angebotes zum Holocaust Gedenktag.
Im Jahr 2008 haben wir an unserer Schule nun schon zum
neunten Mal diesen 27. Januar in
besonderer Weise gestaltet. Der Jahrestag der
Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz 1945 durch die Sowjetarmee, seit
1996 in Deutschland und seit 2005 UN-weit Gedenktag, ist bei unseren
Schülerinnen, wie auch in der Bevölkerung, nur sehr wenig bekannt. Das war uns
Anlass hier aktiv zu werden und den Schülerinnen verschiedene Angebote zu
machen, sich an diesem Tag mit dem Thema zu beschäftigen. Die Teilnahme ist
freiwillig und stößt immer auf großes Interesse.
Das Bemühen, Zeitzeugen zu uns einzuladen, stand in all den Jahren immer an erster Stelle. Wir hatten z.B. bei uns: Fred Löwenberg, der das KZ Neuengamme überlebte, Ester Bejarano, bekannt als Mitglied des Mädchenorchesters Auschwitz und Helmut Kalbitzer, der im KZ Fuhlsbüttel als Widerständler einsaß.
Aber es wird zusehends schwieriger und bald gar nicht mehr möglich sein,
den Schülerinnen diese wichtigen Begegnungen zu ermöglichen.
So haben wir immer auch schon andere Angebote gemacht: Es wurden Filme gezeigt, anschließend hatten die Schülerinnen Gelegenheit, mit dem Regisseur ( Rolf Schübel, Das Geheimnis des Walerjan Wrobel) oder einer Schauspielerin (Lena Stolze, Die weiße Rose) zu diskutieren. Sehr viele Schülerinnen erreichten wir mit der Wanderausstellung ‚Ein KZ wird geräumt’, die wir von der Gedenkstätte Neuengamme zu uns in die Schule holten.
In diesem Jahr nun hatten alle Klassen, die das wollten, Gelegenheit, in der Zeit Ende Januar bis Anfang Februar einen Projekttag in der KZ Gedenkstätte Neuengamme oder in der Schule am Bullenhuser Damm durchzuführen. Unter der Leitung von erfahrenen Museumspädagogen erkundeten sie das Gelände und arbeiteten zu verschiedenen Themen in den Ausstellungen und im Offenen Archiv. 35 Klassen aller bei uns geführten Schulformen (BVJ, Berufs- und Berufsfachschulen sowie FOS) haben teilgenommen.
Ich möchten mit diesem Bericht andere Schulen anregen, den 27. Januar in ähnlicher Weise zu gestalten. Da im Unterricht der Berufsschulen das Thema Nationalsozialismus und Holocaust wenig oder gar nicht mehr vorkommt, ist dieser Gedenktag ein guter Anlass, die Jugendlichen noch ein mal an das Thema heranzuführen – auch, wenn es nur für einen Tag ist.
Lassen Sie sich von der zusätzlichen Arbeit, die natürlich mit der Vorbereitung und Durchführung verbunden ist, nicht abschrecken. Jedes Mal wieder machen wir die Erfahrung, wie ereignisreich und wichtig dieser Tag für uns alle ist.
Falls Sie sich also vorstellen könnten, auch an Ihrer Schule einen derartigen Tag zu veranstalten oder vielleicht nur einmal eine der vielen Wanderausstellungen zum Thema in Ihre Schule holen möchten, nehmen Sie gern Kontakt auf:
g13@bsb.hamburg.de Stichwort „Holocaust Gedenktag - Hartje/Ky“
In diesem Zusammenhang möchte ich allen Kolleginnen und Kollegen noch eine andere Hilfe anbieten: Seit meiner Pensionierung vor zwei Jahren nutze ich einen Teil meiner freien Zeit dazu, den Hamburger Berufsschulbereich stärker an die KZ Gedenkstätte Neuengamme heranzuführen. Im Gegensatz zu den Klassen der allgemeinbildenden Schulen verbringen nur sehr wenige des berufsbildenden Bereiches einen Tag in der Gedenkstätte. In der Regel werden Zeitmangel und der organisatorische Aufwand von den Kollegen/innen als Gründe für diese Zurückhaltung angeführt. Ich denke aber, dass viele von Ihnen es trotz dieser Schwierigkeiten für wünschenswert halten, ihren Schülerinnen einmal während ihrer Berufsausbildung einen Besuch in Neuengamme zu ermöglichen. Besonders wichtig wäre es sicherlich auch, die große Gruppe unserer BV Schülerinnen mit einzubeziehen.
Vielfältig und sehr unterschiedlich, den Wünschen, Fähigkeiten und Vorkenntnissen der jeweiligen Gruppe angepasst, kann ein solcher Besuch gestaltet werden. Museumspädagoginnen mit langjähriger Erfahrung planen und begleiten diesen.
Hier setzt nun mein Angebot an:
Ich berate Sie gerne im Hinblick auf die inhaltliche und methodische Gestaltung Ihres Besuches und sorge für die organisatorische Umsetzung. Hinterlassen Sie unter
g13@bsb.hamburg.de, Stichwort „Holocaust Gedenktag - Hartje/Ky“
Ihre Telefonnummer bzw. E-Mail-Adresse, ich werde mich umgehend mit Ihnen in Verbindung setzen. Ich hoffe sehr, Ihnen auf diese Weise die Entscheidung für einen Besuch mit Ihrer Klasse in der Gedenkstätte Neuengamme zu erleichtern.
Barbara Hartje
Übersicht und PowerPoint-Präsentation zu den Veranstaltungen an der G 13 zum 27. Januar seit 2000